Fachkräfte aus dem Ausland: Mann aus Braunschweig gründet Vermittlung
Stand: 01.10.2025 17:19 Uhr
Deutschland braucht Fachkräfte, auch aus dem Ausland. Der Braunschweiger Linh Do trägt seinen Teil bei: Er vermittelt Azubis aus Vietnam. Sie sollen es einfacher haben, als er selbst einst.
"Ich glaube, am Anfang sehr schwer, aber ich versuche fleißig zu arbeiten und zu lernen", sagt Tu Le, während er in der Bäckerei in Isenbüttel Sesambrötchen vorbereitet. Sein Deutsch ist noch brüchig, es ist sein zweiter Arbeitstag in einem fremden Land. Sein Chef ist aber schon jetzt zufrieden: Der Vietnamese sei wissbegierig, freundlich und wisse ganz genau, worauf er sich einlasse, sagt Bäcker Karsten Claus. Für ihn ist Tu Le ein Glücksgriff, drei Jahre habe er vergeblich nach Azubis gesucht, erzählt der Bäcker.
Deutschlands Wirtschaft braucht Einwanderung
Allein ist er damit längst nicht mehr: Um die Wirtschaftsleistung zu erhalten und das Rentensystem angesichts des demografischen Wandels zu stabilisieren, braucht Deutschlands Arbeitsmarkt etwa 400.000 Einwanderinnen und Einwanderer jährlich. Doch Einwanderung ist nicht einfach, wie der ebenfalls aus Vietnam kommende Linh Do weiß: Als er vor zehn Jahren für eine Ausbildung zum Altenpfleger nach Deutschland kam, sei er sehr einsam gewesen. Und er habe kaum Unterstützung bekommen: "Ich musste alles selbst durchführen, Bürokratie und Berufsschule".
Perspektiven - auf der Suche nach Lösungen
Vietnamesische Azubis für niedersächsischen Mittelstand
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Hilfe durch Vermittlungsagentur
Viel gemeinsam unterwegs: Azubi Tu Le (links) und Vermittler Linh Do.
Mittlerweile ist Do Unternehmer, gemeinsam mit Stephan Zeh hat er eine Vermittlungsagentur für angehende Fachkräfte aus Vietnam gegründet. Die sollen es einfacher haben, als er es selbst einst hatte: Do begleitet sie bei der Kontoeröffnung, beim Abschließen von Versicherungen und erklärt den Neuankömmlingen auch, wie der Nahverkehr funktioniert. Nur die möblierte Wohnung müsse der künftige Arbeitgeber organisieren. Der trage auch sämtliche Kosten, 3.000 Euro berechnen Do und Zeh derzeit pro Fall.
Handwerkskammer: Das reduziert die Abbrecherquote
Nötig sind solche Dienstleistungen, betont Claudia Meimbresse von der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade: Nur so lasse sich die Abbrecherquote deutlich verringern. Wenn angehende Fachkräfte hier sind, sei es wichtig, dass sie sich willkommen fühlen. Auch müsse man Strukturen schaffen, insbesondere für den Spracherwerb - was auch zusätzliche Deutschkurse an der Berufsschule umfassen könne. Und Unternehmer müssten wissen, dass da Jugendliche kämen, die vielleicht eine ganz andere Vergangenheit als deutsche Azubis haben - und möglicherweise zunächst nicht die gleiche Leistung bringen.
Ausführlicher Bewerbungsprozess
Do und Zeh setzen auf einen ausführlichen Bewerbungsprozess, von 80 Interessenten im Jahr wurden zuletzt zehn ausgewählt. Insgesamt sind 30 junge Menschen über die Agentur nach Deutschland gekommen. "Die Abbrecherquote liegt bei exakt null Prozent", sagt Mitgründer Stefan Zeh. Insbesondere den Einwanderinnen und Einwanderern aus Vietnam attestiert er, aus einer sehr ehrgeizigen Kultur zu kommen. Das hilft auch Bäcker Claus: Die Schicht beginnt um 2 Uhr in der Nacht, was offenbar viele Bewerber abschreckte. Er hatte sogar befürchtet, die Bäckerei wegen Nachwuchsmangels schließen zu müssen.